Bewerbungsschwindel: Warum Lügen in der Bewerbung auch sehr kurze Beine haben
Freitag 28. Oktober 2011 von Der Bewerbungsratgeber
Unternehmen misstrauen perfekten Lügen bei der Bewerbung
Wer sich für einen neuen Job bewirbt, sollte sich im besten Licht darstellen. Noch viel wichtiger: Er sollte bei der Wahrheit bleiben. Denn Personalmanager sind den Bewerberlügen auf der Spur.
Perfekte Englischkenntnisse, langjährige Führungserfahrung, dazu eine imposante Liste von spannenden In- und Auslandsjobs – für die meisten Personalveranwortlichen sind solche Angaben ein Grund aufzuhorchen. Ein Großteil der Finanz- und Personalmanager im deutschsprachigen Raum nimmt derart makellose Lebensläufe gar nicht mehr für bare Münze. Das zeigt die Studie Workplace Survey des Dienstleisters Robert Half, bei der 2.400 Führungskräfte in 13 Ländern befragt wurden.
Ganz besonders bei Glanzleistungen in Fremdsprachen oder auffällig umfangreichen und ausgefeilten Software-Kenntnissen werden die Führungskräfte skeptisch. Auch die Gründe für einen Jobwechsel hinterfragen sie besonders genau. Und gerade hier sollten Jobkandidaten den wahren Wechselgrund nicht verschleiern, so die Studie. Ein positiver Eindruck geht sonst schnell flöten.
Ebenso im Fokus: die Managementfähigkeiten der Bewerber. Allein 39 Prozent der deutschen Personaler gehen von vornherein davon aus, dass ein Bewerber im alten Job viel weniger Verantwortung inne hatte, als er behauptet. Auch darüber, was genau ein Jobkandidat in früheren Unternehmen getan hat, lassen sich die Verantwortlichen nicht täuschen. Gerade mal ein Drittel der deutschen Führungskräfte glaubt das, was der Bewerber in Sachen Arbeitsaufgaben auftischt. In vielen Fällen dürften allzu märchenhafte Jobbeschreibungen die Verantwortlichen veranlassen, zum Telefonhörer zu greifen und nachzufragen. Notfalls auch im eigentlichen Bewerbungsgespräch.
Zunächst im Fokus: Berufliche Qualifikation
Am wichtigsten ist den Personalverantwortlichen aber zunächst die berufliche Qualifikation. Dorthin fällt der Studie zufolge der erste Blick der Mitarbeiter-Suchenden. Großes Augenmerk legen HR-Manager auch auf Fachwissen und die Berufserfahrung. Nur auf die Angaben des Bewerbers allein, so die Erfahrung der HR-Manager, kann sich das Unternehmen nicht immer verlassen. Deshalb wird zunehmend nachgeprüft. “Eine sehr gute Möglichkeit, die Glaubwürdigkeit des Bewerbers zu evaluieren, sind Referenzen. Personalverantwortliche sollten diese im Vorfeld erfragen oder während des Bewerbungsgespräches darum bitten. Hat der Kandidat nichts zu verbergen, stimmt er dem zu”, sagt Sven Hennige, Managing Director Europe von Robert Half International.
Die Fachleute des Personaldienstleisters raten, vor allem in den fünf Punkten Sprach- und Softwarekenntnisse, Führungsverantwortung, Gründe für den Jobwechsel und Aufgaben des letzten Jobs bei der Wahrheit zu bleiben, weil die Personal- und Finanzfachleute genau diese Angaben im Lebenslauf mit besonders großer Skepsis betrachten.
Bewerbungsschwindeleien sind auf jeden Fall kein Kavaliersdelikt, bekräftigt auch Thomas Pütz, Partner und Regionalmanager Outplacement beim Personaldienstleister von Rundstedt HR Partners. “Die wenigsten Lebensläufe sind geradlinig, deshalb sollte man offen und ehrlich die Lücken benennen. Wer dabei Reizworte wie Arbeitslosigkeit vermeidet und dafür darstellt, wie er sich während dieser Phase beruflich neu orientiert hat, muss keine Nachteile befürchten. Es zählen auch kleine Dinge: Wer sich während der Erwerbslosigkeit als Kassenwart des Tennisclubs engagiert hat, zeigt deutlich, dass er sich aktiv am gesellschaftlichen Leben beteiligt und nicht nur rumgesessen hat.”
Lebensläufe, in denen dagegen die Arbeitslosigkeit mit erfundenen Sprachurlauben oder angeblicher Selbstständigkeit kaschiert wird, fallen dem Fachmann zufolge schnell auf. Denn die Personalfachleute prüfen inzwischen alles, was ihnen wenig plausibel erscheint. “Wenn zwischen Studium und Berufseinstieg mehr als ein Jahr liegen, muss man schon eine gute Begründung bieten, sonst stellt sich der Arbeitgeber die Frage: Will der überhaupt arbeiten?”
Warum Umwege nicht schlecht sind, schwache Begründungen aber schon
Auch ein länger zurückliegendes Studium sollte man nicht schönen, rät Pütz. Selbst ungewöhnliche Studienabschlüsse im Ausland lassen sich inzwischen schnell checken, weiß er. Häufiger scheitern die Kandidaten an früheren Arbeitgebern. “Wird im Bewerbungsgespräch eine Referenz gefordert und der Kandidat hat sich den alten Job betreffend größer, toller, besser dargestellt als er war, fliegt er spätestens dann auf.”
Pütz rät deshalb, mögliche Referenzen schon vor dem Bewerbungsprozedere zu organisieren. Ein Anruf beim ehemaligen Chef reicht meist. Wer Referenzen vorbereitet hat, nimmt eventuell misstrauischen Personalmanagern schnell den Wind aus den Segeln.
Vorsicht, Internet-Falle!
Wichtig ist zudem zu wissen, was im Internet über die eigene Person zu finden ist. Widersprechen aktuelle Facebook-Einträge, Youtube-Videos oder private Blogs dem Bild, das man in seinen Bewerbungsunterlagen von sich selbst zeichnet, wirkt das wenig ehrlich. Wenn sich Unschönes nicht mehr löschen lässt, sollten sich Bewerber zumindest auf hartnäckige Fragen der potenziellen Arbeitgeber einstellen – und eine gute Erklärung für Peinliches parat haben.
Recruiting-Fachmann Thomas Pütz räumt jedoch auch ein: Ein Lebenslauf mit Brüchen weckt auf jeden Fall sein Interesse – sofern der Jobkandidat nicht mogelt, sondern offensiv mit seinen beruflichen Umwegen umgeht. “Jemand, der verschiedene Dinge ausprobiert und mehrfach neu angefangen hat, ist für einen Arbeitgeber durchaus interessant. Immerhin weiß der Bewerber bereits, wie sich Misserfolge anfühlen und wie man sich möglicherweise aus dem Sumpf zieht. Was er aus Rückschlägen gelernt hat und wie er mit negativen Erfahrungen umgegangen ist, das könnte dem nächsten Chef helfen.”
Gleichzeitig stellt er klar: “Geradlinige Lebensläufe zeugen von Zielstrebigkeit und Kontinuität. Wer aber in den letzten zehn Jahren keine Entwicklung nachweisen kann, zum Beispiel durch neue Aufgaben in seinem Job, verliert als Arbeitskraft an Attraktivität – auch wenn er große Lücken oder berufliche Neuanfänge vermeiden konnte.”
Wahrheit oder Ärger?
Fazit: Bewerbungsschwindeleien bringen nicht weiter. Auch wenn geschönte Auslandsaufenthalte, gemogelte Abschlüsse oder falsche Jobbeschreibungen auf dem Papier gut aussehen. Personaler sind inzwischen geeicht darauf, Fehlerhaftes aufzudecken. Verdeckte Defizite lassen sich mit wenigen Fragen ans Licht bringen. Deshalb gilt den Fachleuten zufolge: Lieber bei der Wahrheit bleiben! Fehler sind schließlich kein Weltuntergang. Zudem sollten Bewerber auch daran denken: Fliegen handfeste Lügen aus dem Bewerbungsverfahren später auf, drohen Abmahnungen oder sogar die Kündigung.
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Dieser Beitrag wurde erstellt am Freitag 28. Oktober 2011 um 12:04 und abgelegt unter anonyme Bewerbungen, Bewerbung schreiben, Bewerbungen per E-Mail, Bewerbungscoaching, Bewerbungsfoto, Bewerbungsgespräch, Bewerbungshilfen, Bewerbungsratgeber, Bewerbungsschreiben, Das Bewerbungsanschreiben, Das Deckblatt, Der Lebenslauf, Die Bewerbungsmappe, Niemals Mustervorlagen, perfekte bewerbung schreiben, richtig bewerben, Vorstellungsgespräch, wie bewerbe ich mich richtig. Kommentare zu diesen Eintrag im RSS 2.0 Feed. Die Kommentare sind derzeit geschlossen, aber sie können einen Trackback auf Ihrer Seite einrichten.





